Kleingartenanlage "Erholung" e.V.
urbanes gärtnern in Berlin - Kaulsdorf

Berlin im Klimawandel - Kleingärtner tun was fürs Wetter

Als Urban-Gardening-Aktivisten der ersten Stunde kümmern wir Kleingärtner uns seit mehr als 150 Jahren um das Klima in Berlin – nicht immer wahrgenommen, bisweilen sogar unterschätzt. 
Jetzt starten wir durch: mit unserer Klima-Initiative „Berlin im Klimawandel – Kleingärtner tun was fürs Wetter“.

 

Warum sind unsere Gärten so bedeutsam für die Stadt im Klimawandel?

Gärten und Grünflächen sind stadtklimatisch wertvoll, unverzichtbar und sozial. Sofern Gärten ausreichend mit Wasser versorgt sind, schaffen sie an heißen Sommertagen eine angenehme Verdunstungskühle. Besonders im bioklimatisch belasteten Innenstadtbereich ist dieser Effekt sehr willkommen und notwendig. Gartenböden speichern Niederschlagswasser. Dies ist bei zunehmenden Starkregenereignissen wichtiger denn je. 

Gartenböden und Bäume dienen zudem als CO²-Speicher, spielen also auch im Hinblick auf den Klimaschutz eine wichtige Rolle. Auch die lokale und häufig biologische Produktion von Obst und Gemüse leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. 

Kleingärten und Gemeinschaftsgärten sind außerdem soziale und interkulturelle Begegnungsstätten und Bildungsräume. Das alles macht den Wert von Gärten in der Stadt unermesslich!

Wie wirkt sich der Klimawandel auf unsere Gärten aus?

Der Klimawandel bringt für die Gärten viele Herausforderungen mit sich. Mit den zunehmenden Starkniederschlägen besteht die Gefahr der Nährstoffauswaschung, Erosion und Belastung von Grund- und Oberflächenwasser. Auch Überschwemmungen können resultieren. Gleichzeitig werden Trockenperioden und Hitzewellen sehr viel häufiger auftreten. Die Verdunstungsrate nimmt zu und kann zu extrem niedrigen Bodenfeuchtesituationen führen. Für viele Pflanzen ist diese Über- oder Unterversorgung mit Wasser problematisch. 

Auch der Schädlingsdruck ist nicht zu unterschätzen. Längere Vegetationsperioden, höhere Temperaturen und atmosphärische Kohlenstoffdioxid-Gehalte hingegen bergen auch Chancen, die durch klimaangepasste Gärten produktiv nutzbar sind.

Was tun auf der eigenen Parzelle?

Sie als Kleingärtner haben viele Möglichkeiten, klimabewusst zu gärtnern. Vieles davon ist altbekanntes naturnahes Gärtnern. Zu Zeiten des Klimawandels sind diese Aspekte noch bedeutsamer denn je (Beispiele):

• Mulchen offener Flächen (z.B. mit Heu, Stroh, Grasschnitt)

• Ganzjährige Bodenabdeckung aller Flächen (Bepflanzen oder Mulchen)

• Gründüngung nach der Ernte (z.B. mit Leguminosen)

• Effiziente Bewässerung (am besten früh morgens)

• 1-2 Mal pro Woche intensiv bewässern (bis 25 Liter pro qm; statt täglich geringe Mengen)

• Auffangen und Nutzen von Regenwasser

• Einsatz von Tröpfchenbewässerung

• Förderung von Nützlingen

• Verwendung hitze- und trockenheitstoleranter, frühreifer (Ernte vor der Sommertrockenheit), tief wurzelnder Kulturen (z.B. verschiedene Gräser) bzw. standortgerechter Sorten und Arten. 

Ihr Kleingarten trägt zu angenehmen Temperaturen und zum Regenwassermanagement der Stadt bei. Unterstützend sind hierbei beispielsweise:

• Feuchtbiotope und Gartenteiche

• Max. Versiegelung der Parzelle bis 6 Prozent (ohne 24 qm-Laube)

• Wasserdurchlässige Beläge bei Wegen und anderen befestigten Flächen. Darüber hinaus können Sie in Ihrem Garten etwas für den Klimaschutz tun, indem Sie z.B. auf torfhaltige Blumenerden verzichten und eine Garten-Solaranlage betreiben.

Was tun in der Kleingartenanlage?

Auch auf der Ebene eines Vereins können wir einiges bewegen und zu einer klimaangepassten Stadt und zum Wohlbefinden unserer Pächter und der Nachbarschaft beitragen, z.B. durch:

• Teiche und Feuchtbiotope (Verdunstungskühle und Regenwassermanagement)

• Notwasserwege bzw. Dränage (wegen möglicher Starkregenmengen)

• Dach- und Fassadenbegrünung

• Wetteranlage (z.B. Berliner Gartenwetter)

• Aufklärung der Pächterinnen und Pächtern zu Gesundheitsrisiken (Hitze, Pollenauftreten u.a.)

• Kostenlose Trinkwasserspender auf den Wegen und Plätzen

• Schattige Sitz- und Ruheplätze auf den Gemeinschaftsflächen

• Öffentlichkeitsarbeit durch Veranstaltungen, Webseiten, Printmedien, Aushänge, „Willkommenspforten“ u.ä.

• Bildungsangebote wie (Klima-) Schaugärten, Lehrpfade, Schulungen für Externe

• Kooperation mit Bildung, Umwelt- und Naturschutz, Wissenschaft u.a.m.

Weitere Informationen

Webseite des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde e.V. für weiterführende Informationen zur Klima-Kampagne „Berlin im Klimawandel – Kleingärtner tun was fürs Wetter“


Quellennachweis: klimagaerten.de